Tuesday, April 18, 2006

Abendessen am Ostermontag

Ostern ist überstanden und endlich sind die letzten Mitglieder der Familie gen Hamburg gefahren und ich habe die große Wohnung für mich. Niemand da, der ständig Rechtfertigungen von mir fordert. Angenehm.

Ich nutze die Gelegenheit und lade ein paar Freunde zum Essen ein, das hat den Vorteil, daß ich das Haus nicht verlassen muß und den Nachteil, daß ich hinterher putzen muß. Egal, das nehme ich gern in Kauf. Sie kündigen sich für 21:00 Uhr an und ich beginne eine Stunde vorher mit dem Kochen. Es gibt Ratatouille und einen gemischten Salat. Lecker, kein Dönerbuden Fraß. Pünktlich wie die Maurer stehen Daniel, Julien, Lucile und Philippe (alphabetische Reihenfolge, geil) und bringen zwei Flaschen Wein mit. Ich setze den Reis auf und drücke Daniel ein Osterei sowie einen Schokohasen am Stiel in die Hand, da er fern von der Heimat ist. Danach gehe ich mit ihm ins Badezimmer und verbinde seine Hand neu (Schlag in eine Schranktür. Man beachte das kleine Detail: im Schlaf).

David fehlt, keiner der die vielen kleinen Dinge in dieser Wohnung in die Hand nimmt und ausprobiert. Schade. Bald kommt er ja.

Wir beginnen zu Essen und Daniel springt zwischen der deutschen und französischen Sprache hin und her, weil ich heute geistig nicht in der Lage bin, meine im Hinterkopf schlummernden Französischkenntnisse zu nutzen. Selbst schuld, was lad ich mir auch ausschließlich Franzosen und Schweizer ein? Egal, wir schaffen es, wie immer uns zu verständigen. Außerdem sind die Gesprächsthemen, wie immer die gleichen: Beauf de France und knallen. Ich denke bei mir, bei solchen Themen brauch ich mir auch keine Mühe zu geben.

Nach dem Essen verabschiedet sich Lucile, die noch eine Hausarbeit schreiben muß und wir ziehen um ins Wohnzimmer. Zu den ruhigen Klängen von Interpol öffnen wir die zweite Flasche Wein und fahren mit unseren Gesprächen fort. Phil beginnt Mutmaßungen, über mein Privatleben im Speziellen über mein Sexleben anzustellen und versucht Informationen aus mir rauszukriegen. Als er merkt, daß es ihm nicht gelingt reagiert er enttäuscht und auch ein wenig empört. Er sagt: Wir sind doch Freunde, wem erzählst du sowas, wenn nicht uns? Freunde? Wir sind keine Freunde in dem Sinne. Ich habe mit Phil noch nie ein ernsthaftes Gespräch geführt. Er sagt, das würde an der Sprachbarriere liegen, wo er natürlich recht hat, denn mit Daniel habe ich schon das ein oder andere Problem diskutiert. Bei Phil denke ich liegt es daran, daß wir gar nicht versuchen mal ein ernsthaftes Gespräch zu führen und mir liegt zudem die nordische Kühle im Blut. Naja ist ja auch egal. Ist schließlich meine Sache, wen ich in welchem Maße an meinem Privatleben teilhaben lasse.

Um Mitternacht ist Aufbruchstimmung und wir räumen noch die Gläser in die Küche. Wir verabreden uns für Mittwoch Abend und nach kurzem Dank verabschieden sich die drei.
Ich beschließe das Aufräumen auf den nächsten Tag zu verschieben und telefoniere mit Jenny, um Details fürs nächste Businessbreakfast zu klären. Trotz meines Schwurs, niewieder ein Starbucks zu betreten, werde ich mich am Mittwoch früh doch wieder dort einfinden müssen. Jenny erzählt noch von dem Abend im Hadleys und ich bin traurig, daß ich nicht dabei sein konnte. Nächste Woche hoffentlich.
Ich lege mich ins Bett und schaue zum einschlafen noch ein paar Minuten den Herrn der Ringe.


0 Comments:

Post a Comment

<< Home